Dienstag, 28 Mär 2017
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Pfk. zum „Hl. Bartholomäus“



Aufnahme aus dem Jahre 1995


Im 13. Jh. entstand hier ein Vikariat der Pfarre Melk. 1337 gaben die Brüder Otto und Alber von Zelking die Eigenschaft einer Hofstatt (5 bis 12 Joch) zu Mätzlstorf dem Gotteshaus St. Bartholomä daselbst. 29. März 1441, beurkundet Pfarrer Leopold von Maczleinstorff, dass ihm der edle Kaplan von Zelking, sein rechter Erbvogt, und die Gemeinde zwei Viertel Weingärten (½ Joch) zu Pechlarn (Klein-Pöchlarn) dienstbar, übergeben habe. Diese Weingärten hat der verstorbene Pfarrer Petrus von Matzleinsdorf zu einem Jahrtag daselbst gestiftet, denn er am Sonntag nach Kreuzerfindung mit Vigil (in der kath. Kirche Vorbereitungsfeier am Tag vor bestimmten Festen), Seelenamt, Amt von unser Frauen Schiedung und zwei gesprochenen Messen halten wolle. Siegler: der Pfarrer, der edle Hans der Gotsperger und Hans der Mannsreutter.

Die inmitten und etwas auf erhöhter Lage befindliche Kirche ist dem hl. Bartholomäus geweiht. Rundum der Außenapsisseite liegen in einer Gräbergruppe die Verstorbenen der Geschlechter Harrach und Heussenstamm. Im Friedhof befindet sich in einem großen gemauerten Bildstock eine barocke Kreuzigungsgruppe und der Schima-Gedenkstein – in Erinnerung an den böhmischen Steinmetz Johann Schima, welcher im Zuge des Westbahnbaues 1857 ums Leben gekommen war und hier fern seiner Heimat seine letzte Ruhestätte gefunden haben dürfte.

Das im Kern mittelalterliche Gotteshaus wurde 1735/36 im Auftrag des Abtes Berthold Dietmayr ausgebaut und barockisiert. Der Turm trägt eine blechgedeckte Zwiebelhaube.

Nach dem Erweiterungsanbau der 2000 unter Pater Stephan Holpfer OSB erfolgte (vom Altabt Burkhard Ellegast geweiht), beinhaltet das Innere der Kirche sehr wenig sakrale Gegenstände. Größeres Holzkreuz, Kreuzwegbildern (Drucke), Anfang 19. Jh.; frühbarockes Taufbecken mit schmiedeeisernem Aufsatz und einen schlichten Marienaltar im Turmuntergeschoss). Zwei Wappengrabsteine weisen auf Besitzer der Herrschaft Zelking-Matzleinsdorf hin.

Der Hochaltar wurde ebenso entfernt (es befindet sich anstelle des ehemaligen neugotischen Hochaltars von 1903 ein einfacher Holz-Metallvolksaltar mit Koloman-Reliquie) wie die Orgel (am 3. September 2006 wurde die neue Orgel geweiht) und auch die neugotische Kanzel (in Verwahrung).
Die Passio des Bartholomäus enthält viele Unsicherheiten, die Berichte über Leben, Wirken und Martyrium des Heiligen sind mit zahlreichen Legenden durchsetzt. Der wahre Name des Apostels war mit ziemlicher Sicherheit „Nathanael“. Als Bartholomäus schien er nur in den Apostellisten auf. Bartholomäus leitet sich wahrscheinlich ab von dem hebräischen Wort „Bar tolmai“, Sohn des Furchenziehers, was auf den Beruf seines Vaters schließen lässt. Geboren wurde Bartholomäus zu Beginn des 1. Jahrhunderts. Seine Heimat war Kana in Galiläa. Patron von Frankfurt am Main, Maastrich, Pilsen und Altenburg; des Bistums Lüttich; der Bergleute, Metzger, Hirten, Sattler, Bauern, Gerber, Buchbinder, Schuhmacher, Schneider,  Lederarbeiter, Winzer, Stukkateure und in Florenz der Öl-, Käse- und Salzhändler; gegen Nervenkrankheiten, Zuckungen und Hauterkrankungen.



Attribut


Ein Messer in der Rechten, mit dem ihm die Haut abgezogen wurde, und in der anderen Hand entweder ein Buch oder seine Haut bzw. sein Kopf mit abgezogener Haut im Arm.
Der berühmte italienische Maler Michelangelo hat bei der Darstellung des „Jüngsten Gerichts“ (siehe Sachwörter – unter Michelangelo) in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan der Haut des hl. Bartholomäus seine eigenen Gesichtszüge verliehen (siehe Scanbild).


Scanbild aus: Kirche bunt, Nr. 47, November 2008


Die zweite überragende Darstellung findet sich am Dreikönigsschrein zu Köln. Christus erkennt, als er zu ihm kommt, Bartholomäus als den, „den er schon unter dem Feigenbaum sitzen sah“. Die Gebeine des Heiligen liegen unter dem HA der Kirche S. Bartholomeo del’Isola; seine Hirnschale befindet sich seit 1238 im Bartholomäus-Dom in Frankfurt am Main, wo man ihn auch zum Stadtheiligen bestimmte.
1337 gaben die Brüder Otto und Alber von Zelking die Eigenschaft einer Hofstatt zu Mätzlsdorf dem Gotteshaus St. Bartholomä daselbst (Topographie, VI., Seite 237).

1385 heißt es „Matzleinsdorf in Melker Pfarr“, es scheint also diese Pfarre zeitweise unbesetzt gewesen zu sein (Topographie, VI., Seite 247).


1441, 29. März, beurkundet Pf. Leopold von Maczleinstorff, dass ihm der edle Kaplan von Zelking, sein rechter Erbvogt, und die Gemeinde zwei Viertel Weingärten zu (Klein-)Pöchlarn an dem Berg und zu Krummnußbaum, jeder mit 2 d dem Pfleghof in Pöchlarn dienstbar, übergeben habe. Diese Weingärten hat der verstorbene Pf. Petrus von Matzleinsdorf zu einem Jahrtag daselbst gestiftet, den er am Sonntag nach Kreuzerfindung mit Vigil, Seelenamt, Amt von Unser Frauen Schiedung und zwei gesprochene Messen halten wolle. Siegler der Pf., der edle Hans der Gotsperger und Hans der Mannsreutter (GB Band 16, 1998, Seite 131/132; Keiblinger, II, Seite 312).
 
1544 war auch die Pfarre unbesetzt und wurde vom Vikar Stephan Neupaur zugleich mit der Pfarre Melk versehen. Der Visitationsbericht meldet: Pfarr Mötzelstorf, der Pfarr Mölckh incorporiert, erträgt jährlich VII (7) Pfd. d, drey Weingarten, achtzehen Jeuch (18 Joch) Acker, fünf Tagwerch (Tagwerk) Wismadt (Wiese zu heuernten). Dem vorigen Pfarrer nach seinem Absterben ist durch den Pfleger zu Zelking sein Gut genumben (genommen) worden, der Ursache man kheinen mer zuwegen bringen mag. Die Kirche und der Pfarrhof sein Paufällig (GB, Band 16, 1989, S. 132/33). 1576, 15. September, klagt Dechant und Pfarrer Michael Spann von Melk, dass Christoph Straub die Kirche in Matzleinsdorf versperrt und die Schlüssel zu sich genommen habe, weshalb der Gottesdienst und die Predigt einige Male auf dem Friedhof gehalten werden mussten (Wiedemann IV., Seite 247). Straub gebe vor, er sei über die Kirche Lehensherr und der Herr von Starhemberg Vogtherr und der Bischof und sein Offizial habe allda nichts zu schaffen. Der Starhemberg habe die Rechnung schon über 100 Jahre gepflogen (GB Band 16, 1998, Seite 133; Konsistorialprotokoll im erzbischöflichen Archiv zu Wien).

1618 beschwerten sich die kath. Stände auch darüber, dass Christoph Wilhelm II. (Vater von Ludwig Wilhelm) von Zelking die Schlüssel der Kirche Matzleinsdorf, Filiale zu Melk, an sich genommen, den kath. Pf. und den Prozessionen auf St. Bartholomäustag, welche mit Fahnen, Litaneien und Kirchfahrtslieder dahin kamen, den Zugang verweigert habe (GB Band 16, 1998, Seite 133; Wiedemann I., Seite 556).

Das Saallanghaus (von einem got. Vorgängerbau stammen wahrscheinlich die unteren Geschosse des Turms und die Außenwände) wurde 1735/36 im Auftrag des Melker Abtes Berthold Dietmayr ausgebaut, da die Kirche als verfallen galt. Chor mit 5/8-Schluss, zweiteilige Spitzbogenfenster. Gewölbe A. 17. Jh. (?). Matzleinsdorf war im 14. Jh. ein Vikariat der Pfarre Melk, welches 1693 an das Stift Melk gekommen ist. 1783/84 war Matzleinsdorf wieder eine selbstständige Pfarre (Dr. Anton Kerschbaumer, Geschichte des Bistums St. Pölten II, S. 69).

Im Jahre 1765 folgte der neue Seitenaltar mit der Statue der Unbefleckten Empfängnis Mariä, 1767 Kanzel, 1788 Orgel und 1766 wurde der neue Aufgang in das Oratorium gebaut; 1841 die ganze Kirche im Inneren erneuert.
 
Umgestaltung 1846.

Erweiterungsbau 1893–1903.

  Matzleinsdorf hat (bis zum Tauschvertrag von 1693) nie dem Stift Melk gehört, und Weißkerns irrige Angabe I. Teil Seite 398 ist durch eine Verwechslung entstanden!



Äußeres

Aquarell von Fr. Susanne Überbacher-Thonner (1997) – Die Pfarrkirche vor dem Umbau
Einen herzlichen Dank für das geschenkte Unikat!


Das ungegliederte saalartige stichkappentonnengewölbte Langhaus und der got. Chor mit 5/8-Schluss und 2-bahnigen neugot. Maßwerkfenstern sind unter einem einheitlichen Schopfwalmdach.


    
Der neue Eingansbereich und  Blick auf den massigen Turm

   
Auch am Zubau der Kirche in Matzleinsdorf sind Spione (kleine Gucklöcher) angebracht

 

Die Apsis mit dem Sakristeianbau


Im Westen Portalvorhalle (Erweiterungsanbau); nördlich am Chor massiger, 3-zonig gegliederter Turm mit rundbogigem Uhrengiebel und neobarocker Zwiebelhaube mit Laterne; südseitig eingeschossiger Sakristeianbau 1735/36.



Der Zubau



Nach Plänen des Architekten DI Richard Zeitlhuber wurde nach Abtrennung der kompletten Westwand ein lichtdurchfluteter moderner Erweiterungsanbau hergestellt


Pater Stephan als „ Motor“ des Erweiterungsbaues


Blick von der neu errichteten Empore zur Apsis (während der Bauphase)


Die komplette Innenrenovierung und der Zubau dauerten von Mai bis Anfang November 2000 und wurde unter Pater Stephan Holpfer OSB Mag. theol. mit einem Kostenaufwand von rund 8 Millionen Schilling (je 1,5 Millionen Schilling bezahlten das Stift Melk und die Diözese, 1 Million Schilling die Gemeinde Zelking-Matzleinsdorf, den Rest musste die Pfarre selbst tragen) errichtet.



Arbeitsgespräch (mit einigen Freiwilligen)


A. D. MM = Im Jahr des Herrn 2000
(Diese zwei im Fußbodenbereich des Mittelganges eingefügte Platten sollen so an den Erweiterungsanbau erinnern)


Der Altbau wurde innen völlig generalsaniert: Trockenlegung der Wände, neuer Steinfußboden und neue Bänke sowie Elektroinstallationen. Der Innenraum erhielt eine helle Färbelung und einen dem II. Vatikanischen Konzil entsprechenden Altarraum. Das (ehemalige) Kreuz stammte vom Altpriester KR Edmund Warchol. Die Segnung mit Weihrauch und Myrrhe erfolgte unter dem Altabt Burkhard Ellegast am 26. November 2000. Vor dem Festgottesdienst weihte der Abt den neuen und modernen, aus Holz und Metall bestehenden Altar, der Reliquien des hl. Koloman enthält.

Mehr als 80 freiwillige Helfer, die zwischen Mai und November mitgeholfen hatten, wurden seitens der Pfarre geehrt.


Goldene Kelle für die Kirchenerweiterung

 
Die Verleihungsfeier „Goldene Kelle“ fand am 23. Juni 2002 am Pfarrhofplatz statt
Im Bild (von links nach rechts) die Herren: Landesbaudirektor DI Peter Kunert, Bürgermeister Leopold Labenbacher, Landesrat Wolfgang Sobotka, Pfarrer Mag. theol. Pater Stephan Holpfer und Architekt DI Richard Zeitlhuber am Pfarrhofplatz

Verleihungsurkunde und Goldene Kelle

 
Die Erweiterung der alten Pfarrkirche in Matzleinsdorf wird durch die beengte Platzsituation in unmittelbarer Nachbarschaft zu Pfarrhof, Friedhof und Schulhaus bestimmt. Nach Abbruch des bestehenden Eingangsbauwerkes und Öffnung der Westwand wurde dem Kirchenschiff ein zweigeschossiger Erweiterungsbau angefügt. Ziel des Entwurfes war es, der historischen Bausubstanz unterschiedlichster Entstehungszeit einen weiteren Baukörper samt neuer Empore, die sich in den Altbau schiebt, anzufügen, so laut Herrn Arch. DI Richard Zeitlhuber. Die Sitzplätze wurden insgesamt um 60 auf 160 erhöht (Kirche bunt 50/2000).



Pater Stephan als „Maurer Gottes“ (während der Predigt in der hl. Messe mit Kelle und Maurerhammer)


Schreiben vom 8. Jänner 2008 von Pater Stephan (an mich): Bei den Renovierungsarbeiten 2000 in der Kirche in Matzleinsdorf wurde der Boden in der ganzen Kirche aufgegraben, auch im Altarbereich – es waren KEINE Gräber vorhanden, das wurde nur immer weitererzählt.